Bericht zu Lösungsansätzen in der Sprach- und Identitätsplanung
Vom 19.-23. November fand das Vernetzungstreffen junger Minderheitenangehöriger und Plattsprechender, das gemeinsam vom Niederdeutschsekretariat und Minderheitensekretariat organisiert wird, bereits zum dritten Mal statt. Besucht wurde das Siedlungsgebiet des sorbischen Volkes, die Lausitz/Łužica/Łužyca.
Nach der Ankunft am Mittwoch gaben spannende Präsentationen der Teilnehmer*innen beim „Bunten Abend“ Einblicke in die aktuellen Entwicklungen bei den Gruppen, z.B. in KI-gestützte Übersetzungsprojekte, den Alltag der dänischen Minderheit in Südschleswig und die Jugendarbeit der sorbischen Jugendorganisation „Pawk“.
Der Donnerstag startete mit einer Stadtführung durch Budyšin/Bautzen – mit besonderem Fokus auf die Geschichte und Gegenwart des sorbischen Volkes. Am Nachmittag arbeiteten die Gruppen in einem Workshop zu aktuellen Herausforderungen in ihren Herkunftsregionen und entwickelten konstruktive Lösungsideen.
Anschließend führte Rahel Selnack vom „Kolektiw Wakuum“ in die Kunst des sorbischen Perlenschmucks ein. Hier konnten die Teilnehmenden sich selbst an der Stickerei einer sogenannten „Sytka“ – der Abwandlung eines traditionellen sorbischen Schmucks – ausprobieren. Den Abschluss des Tages bildete die Weiterführung des „Bunten Abends“ mit Vorstellungen aus den Gruppen.
Am dritten Tag des Vernetzungstreffens waren wir zu Gast bei der Domowina und der Stiftung für das sorbische Volk im Serbski Dom / Haus der Sorben. Am Vormittag fanden Workshops zu den Themen Rechtsextremismus, Verbandsarbeit und Netzwerkarbeit statt. Zu Gast waren Dawid Statnik als Vorsitzender der Domowina sowie Christoph Schäfer vom Kulturbüro Sachsen. Am Nachmittag ging es weiter mit einem politischen Speed-Debating, bei dem die Teilnehmenden ihre Fragen an Vertreter*innen aus der Politik loswerden konnten. Als Gäste waren Kathrin Michel (MdB, SPD), Karsten Vogt (Oberbürgermeister der Stadt Bautzen, CDU), Silvio Lang (Wahlkreismitarbeiter von Caren Lay, MdB, Die Linke) sowie Hans-Leo Dirks (Referatsleiter des Referats HI6 im Bundesministerium des Innern) dabei und gaben Einblicke in ihre Arbeit.
Am Samstag gab es einen Ausflug in die Niederlausitz. Zunächst ging es auf die Abraumförderbrücke F60, eine der größten beweglichen Maschinen der Welt. In luftiger Höhe erfuhren die Teilnehmenden etwas über die Braunkohleförderung in der Lausitz und die Geschichte der F60. Im Anschluss besuchte die Gruppe den Tagebau Welzow-Süd und warf einen Blick in die Strukturwandelthematik. Anschließend besuchte uns das Projekt „Zorja“. Franciska Albertowa gab einen Einblick in die Entstehung und den Ablauf des Projekts. Außerdem wurden mit den Teilnehmenden zwei Methoden zum Spracherwerb ausprobiert – so erfolgreich, dass am Ende tatsächlich alle einige Worte niedersorbisch verstanden und beherrschten.
Nach der Rückkehr nach Budyšin/Bautzen wurde sich herausgeputzt, denn wir waren zu Schadźowanka eingeladen: dem traditionellen Treffen der sorbischen Studierenden. Dabei durften auch drei Teilnehmende sich und ihre Gruppe dem großen Publikum vorstellen. Nach dem offiziellen Programm gab es großartige Livemusik und Tanz – und wir bedanken uns sehr herzlich für die Gastfreundschaft!
Am Abreisetag folgte noch eine Feedbackrunde, bei der die Teilnehmenden ihre Gedanken zu den letzten Tagen teilen konnten. Wir freuen uns über das positive Feedback und bedanken uns bei allen, die diese fünf Tage so sehr bereichert haben.
Bericht der jungen Angehörigen
Bei dem Vernetzungstreffen ging es auch um die „Sprach- und Identitätsplanung“ für junge Angehörige der fünf Gruppen. Viele berichteten, wie schwer ihnen die Identifikation mit der eigenen Sprache und Kultur oft falle, insbesondere, weil sie immer wieder Vorurteilen begegnen und die Sprache im öffentlichen Leben häufig keine Rolle spielt, oder auf Klischees reduziert wird. Es ergaben sich sehr spannende Diskussionen mit den Teilnehmenden, immer wieder wurden die Schwierigkeiten beim Spracherwerb deutlich, denn es existieren kaum Angebote, die auf junge Menschen ausgerichtet sind. In den Gesprächen ging es auch um das Verhältnis von Tradition und modernem Lebensstil bezogen auf dem Leben als Minderheitenangehörige; der Perlenworkshop der jungen Sorbin wurde hier als positives Beispiel hervorgehoben.
Gemeinsam wurde nach Lösungen für die jungen Erwachsenen gesucht. Der Bericht dazu geht auf die Probleme in der Sprach- und Identitätsplanung ein und greift Ideen für Lösungsansätze auf, die durch die jungen Angehörigen vorgebracht wurden: Bericht zur Sprach- und Identitätsplanung für junge Angehörige der autochthonen Gruppen.
