Am 30. Juni 2026 kam der Beratende Ausschuss für Fragen der niederdeutschen Sprachgruppe zu seiner jährlichen Sitzung zusammen. In diesem Jahr fand die Sitzung im Sprachgebiet statt: Der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Bernd Fabritius, hatte die Mitglieder des Ausschusses nach Greifswald eingeladen.
An der Sitzung, die in hybrider Form stattfand, nahmen die Abgeordneten des Deutschen Bundestages Sebastian Schmidt für die CDU/CSU-Fraktion, Helge Lindh für die SPD-Fraktion, Filiz Polat für Bündnis 90/Die Grünen sowie Ina Latendorf und Maik Brückner für Die Linke teil; für Stefan Seidler (SSW) und Alexander Wolf (AfD) nahmen jeweils die Büroleitungen teil. Ebenso waren Vertreter:innen von sechs Niederdeutschländern vertreten. Seitens der niederdeutschen Sprechergruppe nahmen Heinrich Siefer, Johanna Bojarra und Heidi Schäfer für den Bundesrat für Niederdeutsch teil, sowie Christiane Ehlers und Kevin Behrens vom Niederdeutschsekretariat und als Jugendvertreter:innen Janine Siewert und Dieke Günther. Als Gast nahm Carolin Renner vom Minderheitensekretariat teil.

Unter der Leitung des Beauftragten erörterten die Teilnehmenden Fragen der Bundesinnenpolitik sowie länderspezifische Themen, die die niederdeutsche Sprechergruppe betreffen. Im Bericht über die Entwicklungen der niederdeutschen Sprechergruppe wurde der aktuelle Stand der Erhebung zum Stand des Niederdeutschen vorgestellt, die als repräsentative Online-Erhebung im gesamten Sprachgebiet durchgeführt wird. Aktuell läuft die Datenerhebung, die Ergebnisse sollen im Rahmen einer öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung am 1. Dezember in Hamburg präsentiert werden. Ebenso berichtete das Niederdeutschsekretariat, dass Anfang des Jahres eine Organisation für junge Lüüd gegründet wurde, das Nettwark Junge Lüüd (NJL). Die Sprecherin Janine Siewert und Dieke Günther, Mitglied im NJL, stellten die Organisation und ihre wichtigsten Anliegen vor.
Auf der Tagesordnung standen weiter Themen wie die Umsetzung der Empfehlung der Kultusministerkonferenz zur Wissensvermittlung über die niederdeutsche Sprechergruppe und die nationalen Minderheiten in Schulen sowohl auf Bundesebene als auch bei den Ländern. Dann ging es um mögliche neue rechtliche Grundlagen, um den Schutz und den Ausbau von Niederdeutsch nachhaltig zu stärken, z. B. die Verankerung der Sprache in den Landesverfassungen, die Prüfung eines Niederdeutschgesetzes oder die Übernahme zusätzlicher Verpflichtungen der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen.
Auch die Erhöhung der Sichtbarkeit von Niederdeutsch, die Förderung der Produktion von medialen Inhalten sowie Niederdeutsch in der Pflege waren Themen des Ausschusses. Grietje Kammler von der Ostfriesischen Landschaft war zu einem Tagungsordnungspunkt als Gast eingeladen und stellte das Plattsounds-Festival aus Niedersachsen vor.
Im Anschluss an die Sitzung stellten Prof. Dr. Birte Arendt, Leiterin des Kompetenzzentrum für Niederdeutschdidaktik (KND) der Universität Greifswald sowie die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Ulrike Stern und Antje Köpnick die Angebote des KND vor. Sie gaben Einblicke in ihre Tätigkeiten im Bereich Lehrerausbildung für Niederdeutsch, zur Forschung zu kooperativem Lernen und digitaler Bildung, sowie in der Entwicklung didaktischer Materialien und beim Angebot berufsbegleitender Fort- und Weiterbildungsangebote für Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen und Lehrerkräfte. Ebenso berichteten fünf Niederdeutsch-Studierende von ihrer Motivation, sich für das Lehramtsstudium Niederdeutsch zu entscheiden sowie von ihren Erfahrungen und den Aussichten, die Sprache später an einer Schule unterrichten zu können. Ein Student stellte eine Umfrage zum Thema Niederdeutsch an Schulen in Mecklenburg-Vorpommern vor, die er durchgeführt hat.
