Aktueller Stand des Niederdeutschen

Das Gebiet, in dem die Regionalsprache Niederdeutsch zuhause ist, umfasst die Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern sowie jeweils im nördlichen Teil Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Hessen. Die sogenannte Benrather Linie markiert die Trennung zwischen dem Niederdeutschen und dem Hochdeutschen.
Das Niederdeutsche ist in seiner Existenz bedroht: Seit den 1950er und 1960er Jahren fand ein Sprachwechsel in den Familien statt, die Sprache wurde immer stärker vom Hochdeutschen verdrängt. Plattdeutsch galt über einen langen Zeitraum als Bildungshemmnis. Erst seit den 1990er Jahren begannen die Menschen, den Wert der Regionalsprache wieder zu erkennen. Bedingt durch den Verlust einer ganzen Sprechergeneration ist die natürliche Weitergabe des Niederdeutschen über die Familie nicht gewährleistet, so dass der institutionellen Vermittlung eine immer größere Bedeutung bekommt. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts findet Niederdeutsch verstärkt Einzug in Kindergärten, Schulen und Universitäten, auch im Theater- und Musikbereich existieren gibt es zahlreiche Angebote auf Platt für Kinder und Jugendliche.

Auskunft über aktuelle Sprecherzahlen sowie Einstellungen zur Regionalsprache gibt eine repräsentative Erhebung zum Stand des Niederdeutschen, die das Institut für niederdeutsche Sprache (INS) und das Institut für Deutsche Sprache (IDS) im Jahr 2016 durchgeführt haben. Die wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung sind in der Broschüre „Status und Gebrauch des Niederdeutschen 2016“ zusammengefasst, die auf der Seite des INS in digitaler Form heruntergeladen werden kann.
Die Erhebung zeigt, dass der rapide Rückgang der Sprecherzahl vorerst gestoppt zu sein scheint: In den letzten 10 Jahren ist die Zahl der aktiven Sprecherinnen und Sprecher stabil geblieben. So gaben im Jahr 2016 32,4 % der Befragten geben an, eine höhere Plattdeutschkompetenz zu haben. 67,6 % können nur einige Wörter oder gar nicht Plattdeutsch sprechen. Allerdings verdeutlicht die Untersuchung ebenfalls, dass die Plattdeutschkompetenz in sehr hohem Maße mit dem Alter zusammenhängt. So ist bei den über 80-Jährigen die höchste aktive Sprachkompetenz zu verzeichnen, während in der Altersgruppe der unter 20-Jährigen nur sehr wenige der Befragten angeben, die Sprache zu sprechen.
Große Unterschiede lassen sich auch zwischen den Bundesländern feststellen: Am höchsten ist die aktive Sprachkompetenz in den nördlichen Bundesländern wie Schleswig-Holstein (24,5 %) und Mecklenburg-Vorpommern (20,7 %). In Brandenburg dagegen wurde mit 2,8 % die geringste Sprachkompetenz ermittelt.
Gefragt wurde in der Erhebung auch, ob mehr für die Sprache getan werden sollte. Die Mehrheit aller Befragten spricht sich dafür aus, dass eine stärkere Förderung für das Niederdeutsche notwendig ist. Gefordert sind hier aus Sicht der Probanden vor allen Dingen die Bildungseinrichtugen wie Schulen oder Kindergärten, aber auch kulturelle Einrichtungen und die Politik.

Mit der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen haben die Bundesländer Verpflichtungen zur Förderung der Regionalsprache übernommen, beispielsweise, dass Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben, Niederdeutsch in der Schule zu erlernen. Der Bundesraat för Nedderdüütsch setzt sich dafür ein, dass diese Verpflichtungen umgesetzt und entsprechende Angebote geschaffen werden.