Europäischer Sprachentag in Leck

„Snack mehr (Spraken) mit mi!“ – 160 Schüler*innen von sechs Grundschulen waren der Einladung des Bundesraat för Nedderdüütsch und des Zentrums für Niederdeutsch für den Landesteil Schleswig gefolgt. Sie alle hatten einen Beitrag für den Europäischen Sprachentag vorbereitet und trugen diesen am 27. September in der Nordsee Akademie in Leck mit viel Engagement und Freude vor.
Die Schüler*innen der Grundschulen Mildstedt, Stadum, Karby, Louisenlund, Harrislee und Hattstedt lernen Plattdeutsch in der Schule – wie wichtig es ist, schon früh mehrere Sprachen zu lernen, betonte Hans-Stäcker vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein in seinem Grußwort. So häufig fehle den Erwachsenen später der Mut, eine neue Sprache zu lernen und sie zu sprechen.
Mit kreativen Bühnenbildern und Kostümen führten die Kinder Theaterstücke nach den Büchern „De Grüffelo“ oder „Frederick“ vor, stellten Sketche dar und sangen Lieder op Platt vor. Viel Spaß hatten sie bei verschiedenen Mitmachaktionen und dem gemeinsamen Singen.
Gesa Retzlaff, Leiterin des Zentrums für Niederdeutsch für den Landesteil Schleswig und Christiane Ehlers, Leiterin des Niederdeutschsekretariats, die die Veranstaltung vorbereitet hatten und gemeinsam durch das Programm führten, waren begeistert von dem gelungenen Vormittag, der durch die Beiträge der jungen Plattsnackers abwechslungsreich und lebendig wurde. Vom Förderverein des Zentrums für Niederdeutsch erhielten alle Schüler*innen als Geschenk T-Shirts und Buttons mit der Aufschrift „Snack Platt mit mi“ – eine Aufforderung an die Erwachsenen, die Regionalsprache auch mit den Kindern zu sprechen.
Der Nachmittag des Europäischen Sprachentages stand unter dem Motto Sprachenvielfalt und frühe Mehrsprachigkeit. Nadine Kolb, Ph.D. von der UiT – The Arctic University of Norway stellte in ihrem Vortrag „Gelebte Mehrsprachigkeit in Kita und Schule“ vor, welche Chancen und Möglichkeiten sich durch das Erlernen mehrerer Sprachen in den Bildungseinrichtungen bieten, insbesondere im Kontext von Regional- und Minderheitensprachen. Die Präsentation zu dem Vortrag kann hier herruntergeladen werden: Vortrag frühe Mehrsprachigkeit – Nadine Kolb (PDF).
Die anschließende Gesprächsrunde „Vielfalt durch Regional- und Minderheitensprachen“ mit Vertreter*innen der niederdeutschen Sprechergruppe, der Dänen, der Friesen sowie der Sinti und Roma verdeutlichte, vor welchen ähnlichen Herausforderungen die Gruppen stehen, aber auch, wie sich die Situation in einigen Gesichtspunkten unterscheidet. Jens A. Christiansen, Generalsekretär vom Sydsleswig Foreningen, stellte das eigenständige dänische Schulsystem in Schleswig-Holstein vor. Dr. Christoph Schmidt, Direktor vom Nordfriisk Instituut in Bredstedt, gab seine Einschätzung für das Nordfriesische ab, das mit seinen verschiedenen Varietäten eine besondere Situation hat. Matthäus Weiß, Vorsitzender des Landesverbandes Schleswig-Holstein der Deutschen Sinti und Roma, erläuterte, dass Romanes bisher kaum verschriftlicht und nicht in Bildungseinrichtungen gelehrt wurde, dass sich nun aber ein Wandel anbahnt, um die Sprache zu erhalten. Dr. Michaela Oesser, Geschäftsführerin des ADS Grenzfriedensbundes, ging auf die praktische Umsetzung aus Sicht eines Trägers ein. Im Rahmen der Gesprächsrunde ergab sich ein sehr positiver und konstruktiver Austausch.
Den Beginn und den Abschluss des Sprachentages bildeten zwei besondere kulturelle Programmpunkte. Am Donnerstagabend kamen über 40 Interessierte in die Nordsee Akademie in Leck, um die Lesung mit Musik über Klaus Groth anzuhören. Marianne Ehlers und Heiko Gauert führten durch das Leben und Werk des wichtigen niederdeutschen Schriftstellers, der in diesem Jahr 200 Jahre alt geworden wäre. Groths Gedichte, vertont und vorgetragen von Christoph Scheffler, gaben einen stimmungsvollen Einblick in sein Werk.
Der vom Europarat initiierte Europäische Sprachentag, soll dazu anregen, dass mehr Sprachen gelernt werden. Mit „Knut hat‘s gut“, dem neuen plattdeutschen Klassenzimmerstück der Niederdeutschen Bühne Flensburg konnten die Zuschauer*innen erleben, wie gut dies über das Theaterspielen möglich ist. Anke Henningsen und Günter Herrmann verwandelten den Tagungsraum in ein Klassenzimmer und zeigten, wie mit ihrem zweisprachigen Theaterstück Schüler*innen auf kreative Weise an das Plattdeutsche herangeführt werden können.

Die Veranstaltung wurde mit Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert.

 

 

 

Fotos: Markus Freitag (Vormittag) und Christiane Ehlers